Geschichte und Profil

Als vorübergehender Ersatz für die im Zweiten Weltkrieg stark zerstörte Apostelkirche an der Mülheimer Straße 72 wurde im Jahr 1949 in unmittelbarer Nachbarschaft die „Apostelnotkirche“ errichtet; die Pläne stammten von dem wohl renommiertesten protestantischen Kirchbaumeister des 19. Jahrhunderts, Otto Bartning. Bis zur Einweihung der wieder aufgebauten Apostelkirche im Jahr 1958 diente die Notkirche der Gemeinde als Gottesdienstraum. Viele Menschen haben hier die Gottesdienste besucht, wurden getauft, konfirmiert, getraut. 1963 wurde die Apostelnotkirche zum Gemeindesaal umgestaltet.

Im Jahr 1989, vierzig Jahre nach der Errichtung der Notkirche, begann der „Kunstraum Notkirche“ an diesem Ort Gestalt anzunehmen. Mit über achtzig Inszenierungen hat er sich seitdem weit über die Stadt Essen hinaus einen Namen gemacht; innerhalb der Evangelischen Kirche im Rheinland und auch bundesweit gilt er als profilierter Ort des regelmäßigen Dialogs von zeitgenössischer Kunst, Religion und Kirche. Die Kriterien eines Leuchtturmprojekts erfüllt der Kunstraum Notkirche dabei gleich in mehrfacher Hinsicht:

Programmatik: Das inhaltliche Konzept hat Annette Quast anlässlich der 50. Ausstellung trefflich wie folgt beschrieben: „Bei den [bisherigen] Ausstellungen trat die Kunst in verschiedener Weise in einen Dialog mit den spezifischen Konstellationen des Kirchraumes. Die Künstlerlinnen und Künstler griffen mit ihren Arbeiten in den Raum ein und in der Autonomie der Kunst entstand immer wieder die Chance, über die Werke alternativen Sichtweisen von Wirklichkeit zu begegnen. Autonome Kunst als genuine Weise der Weltwahrnehmung eröffnet Verstehen, und zwar des eigenen Selbst, des Innen und des Außen. Die Kunstschaffenden trugen ihre Themen zur Diskussion und kritischen Auseinandersetzung in den Kirchraum hinein. Räumliche Inszenierungen griffen jeweils in spezifische traditionelle Sichtweisen ein, berührten, akzentuierten und umformten zentrale Elemente des sakralen Raumes wie z.B. den Altarbereich.“

Einbindung in das Gemeindeleben: Gottesdienstort, Ort für vielfältige Gemeindeaktivitäten und Kulturort bilden eine Einheit. Einerseits verleiht der Kunstraum dem Gemeindeleben an dieser Stelle ein besonderes Gepräge; andererseits ordnet sich der kulturelle Dialog als eine Lebensäußerung von Kirche neben anderen in den Alltag der Kirchengemeinde ein.

Der Kunstraum Notkirche als Teil eines Ganzen: Bis heute war der Kunstraum Notkirche Ausgangspunkt für weitere kulturelle Projekte und Initiativen. Im Apostelhaus nebenan finden sich acht Künstlerateliers, die durch Essener Kunstschaffende genutzt werden – die Arbeiten, die hier entstehen, reichen von der Malerei bis zur Bildhauerei. Seit 2009 hat die Evangelische Kirchengemeinde Frohnhausen die beiden Kirchen durch ein gläsernes und transparentes Forum miteinander verbunden – Kulturcafé, öffentlicher Treffpunkt und Ausgangspunkt für zahlreiche Gemeindeaktivitäten und bürgerschaftliche Initiativen inklusive.

Seit September 2011 verbindet sich die Kulturarbeit im Inneren sich mit einem Kunstwerk im öffentlichen Raum auf dem Apostelkirchplatz: Die Skulptur „Focus of Life“ der Künstlerin Simone Elsing (Essen und Berlin) schafft einen zusätzlichen Ort für Inspiration und Meditation.

Apostelkirche, Apostel-Notkirche und Apostelforum bilden zusammen mit dem historischen Gänsereiterbrunnen und dem Kunstwerk „Focus of Life“ auf dem Kirchenvorplatz heute ein einzigartiges und inspirierendes Gesamtensemble. Alle Gebäude und Plätze sind öffentlich zugänglich. Seit 2011 ist die Apostelkirche mit Forum und Notkirche offiziell durch die Evangelische Kirche im Rheinland als „Verlässlich Offene Kirche“ anerkannt.

Fotos: © Jörg Hempel (1) , © Kirchengemeinde (2+3)